1 Peter Morant OFMCap., Das Psalmengebet, 2. Aufl. Freiburg u.a, S. 31. Ohne Angabe zitierte Canones (c., bzw. cc.) sind solche des Codex Iuris Canonici (CIC) von 1983. Die Abkürzungen richten sich im übrigen nach den gängigen Abkürzungsverzeichnissen der Theologischen Realenzyklopädie (TRE) bzw. des Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage (LThK³); zusätzlich: LKStKR = Lexikon des Kirchen- und Staatskirchenrechts, hrsg. v. A. v. Campenhausen ..., Paderborn, u.a. 2000 ff.

2 Als Beispiel für eine derartige Rubrizistik sei ein Auszug aus Philipp Hartmann/Johannes Kley, Repertorium Rituum, Zusammenstellung der rituellen Vorschriften für die bischöflichen und priesterlichen Funktionen, 14. Aufl. Paderborn 1940, S. 211 über das große Kreuzzeichen angeführt: "Vorerst vereine man beide Hände vor der Brust, lege dann die linke Hand flach vor die Brust (infra pectus, ungefähr in der Gegend des Herzens) und suche beifolgende Figur [im Original ist eine Skizze in Form eines Kreuzes beigegeben; oben beginnend sind die Seiten im Uhrzeigersinn mit Buchstaben bezeichnet, die Mitte mit e, Anm. E.S.] möglichst genau (nicht in kreisförmiger Bewegung) nachzubilden, d.h. man erhebe die rechte Hand mit ausgestreckten und aneinandergeschlossenen Fingern bis zur Stirn (a) in der Linie ea, wobei die innere Handfläche dem Körper bzw. der Stirn ganz zugekehrt sein muß, berührt danach wirklich (nicht scheinbar) mit den Spitzen der drei ersten Finger unter den Worten In nomine Patris die Stirn, ohne das Haupt dabei zu neigen, lasse dann in der geraden Linie (ab) die Hand bis zur Brust hinab, berühre diese und spreche et Filii, hierauf führe man die Hand zur linken Schulter, berühre sie und spreche et Spiritus, nun bringe man die etwas gekrümmte Hand (in gerader Linie cd) zur rechten Schulter (d) und berühre sie und spreche sancti und vereine bei Amen die Hände wieder vor der Brust."

3 Vgl. hierzu Philipp Hartmann/Johannes Kley, Repertorium Rituum, S. 4 f.: "die wesentlichen Stücke [Rubriken, Anm. E.S.] verpflichten unter schwerer Sünde. Die unwesentlichen Vorschriften sind teils verbindlich (präzeptiv), teils unverbindlich (direktiv). Die verbindlichen Vorschriften verpflichten in wichtigen Dingen schwer, sonst leicht. Die unverbindlichen Rubriken sind nur Räte oder Anweisungen ohne Verpflichtung."

4 Vgl. Hans D. Jarass, in: Hans D. Jarass / Bodo Pieroth, Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, 5. Aufl. München 2000, Art. 5, Rn. 67.

5 Vgl. Michael Kunzler, Die Liturgie der Kirche, Paderborn u.a. 1995, S. 250.

6 Vgl. Ilona Riedel-Spangenberger, Grundbegriffe des Kirchenrechts, Paderborn, u.a. 1992, S. 170 (Lemma: Liturgisches Recht). Zum Liturgiebegriff aus liturgiewissenschaftlicher Perspektive vgl. Michael Kunzler, Die Liturgie der Kirche, S. 35-49.

7 Vgl. Theodor Maas-Ewerd, Art. "Liturgie", in: PLSp., Sp. 797 ff.

8 Vgl. Norbert Brieskorn, Rechtsphilosophie, Stuttgart u.a. 1990, 25 ff.;

9 Vgl. Bernd Rüthers, Rechtstheorie, München 1999, Rn. 71, der die unterschiedlichen Elemente der hier vorgelegten Definition benennt.

10 Vgl. allgemein zur Rechtsqualität der Rubriken, I. Palazzini, Art. "Ius Liturgicum", in: P. Palazzini (Hrsg.), Dictionarium Morale et Canonicum Bd. 2, Rom 1965, S. 891.

11 Vgl. zu den Aufgaben heutiger Liturgiewissenschaft Emil Joseph Lengeling, Art. "Liturgie/Liturgiewissenschaft", in: NHThG Bd. III, S. 279, 298 ff.: Erschließung der geltenden Liturgiebücher.

12 Allerdings wird diese Trennung zwischen dem Recht in den liturgischen Büchern und den Regelungen im CIC nicht immer durchgehalten, vgl. dazu die eingehende Analyse von Stefan Rau, Die Feiern der Gemeinden und das Recht der Kirche - Zu Aufgabe, Form und Ebenen liturgischer Gesetzgebung in der katholischen Kirche, Altenberge 1990, S. 472 ff.

13 Vgl. Ludger Müller, in: HdbKathKR², § 72: Begriff, Träger und Ordnung der Liturgie, S. 780, 784 ff.

14 Vgl. Winfried Aymans/Klaus Mörsdorf, Kanonisches Recht Bd. I, Paderborn u.a. 1991, S. 108 f.

15 Zu diesem Problem vgl. Michael Kunzler, Die Liturgie der Kirche, 252 f. m.w.N.; Burkhard Neunheuser, Nachvollzug vorgegebener Formen, in: Notitiae 18 (1982), S. 356-366. Die Berücksichtigung der konkreten Feiergemeinde ist ein besonderes Anliegen von Stefan Rau, Die Feiern der Gemeinden und das Recht der Kirche, S. 478 ff.

16 Vgl. zum Problem Klemens Richter, Spontaneität, Kreativität und liturgische Ordnung nach dem neuen Missale, in: BiLi 43 (1970), S. 7-14.

17 Vgl. Rupert Berger, Art. "Rubriken. II. Liturgiewissenschaftlich", in: LThK³ Bd. VIII, Sp. 1340 f.

18 Es wäre Aufgabe einer zeitgemäßen Rubrizistik, die heute wesentlichen Normen genau herauszuarbeiten. Dabei sei angemerkt, daß die Unterscheidung von wesentlichen und unwesentlichen Rubriken eine wichtige Fragestellung der älteren Rubrizistik war, vgl. K. Schrod, Art. "Rubriken", in: KL Bd. X, Sp. 1342 f.

19 Vgl. Balthasar Fischer, Das Stundengebet im Codex Iuris Canonici von 1983, in: Martin Klöckner/Heinrich Rennings (Hrsg.), Lebendiges Stundengebet - Vertiefung und Hilfe, Freiburg u.a. 1989, S. 98, 102.

20 Vgl. Heribert Jone, Gesetzbuch der lateinischen Kirche Bd. 1, 2. Aufl. Paderborn 1950, S. 163 mit Hinweisen auf die moraltheologische Literatur.

21 Dieser Ausspruch geht auf Papst Bonifaz VIII. zurück, vgl. Karl Josef Merk, Das Brevier des Säkularklerus, Stuttgart-Degerloch 1950, S. 30 f.

22 Anders stellt sich die Lage bei den Ordensklerikern und den sog. freien Säkularklerikern dar, die kein benefizium inne hatten, sondern aufgrund ihres Gelübdes oder aufgrund der Weihe zum Stundengebet verpflichtet waren. Historisch gesehen war die Verpflichtung zur Stundenliturgie eine aus dem monastischen Raum stammende Chorpflicht. Sie ergriff er allmählich den Säkularklerus, vor allem über das Benefizialwesen. Am Ende der Entwicklung steht die heute noch geltende persönliche Verpflichtung jedes Klerikers zum Stundengebet. Instruktiv hierzu ist die mit vielen Nachweisen versehene Abhandlung von Karl Josef Merk, Das Brevier und der Säkularklerus.

23 Vgl. Eduard Eichmann/Klaus Mörsdorf, Kirchenrecht, Bd. 1, 7. Aufl. Paderborn 1953, S. 272.

24 Das Benefizialwesen wurde in der nachkonziliaren universalkirchlichen Gesetzgebung abgeschafft. Partikularrechtliches Sonderrecht gilt aber noch teilweise fort. Gleichwohl hat das Benefizialwesen für die Begründung einer Offiziumspflicht keine Bedeutung mehr, vgl. Maximilian Hommens, Art. "Benefizium", in: LKStKR Bd. I, S. 236 f.; William Woestman, The Sacrament of Orders and the Clerical State - A Commentary on the Code of Canon Law, Ottawa 1999, S. 171.

25 So verspricht der Weihekandidat bei der Diakonenweihe ausdrücklich, das Gebet der Stundenliturgie zu verrichten, vgl. Balthasar Fischer, Das Stundengebet, S. 104 f.

26 Die Ständigen Diakone müssen lediglich Laudes und Vesper beten, vgl. Joseph Weier, Der Ständige Diakon im Recht der lateinischen Kirche, Essen 1989, S. 90-93.

27 Vgl. Dominicus Michael Meier, Die Rechtswirkungen der klösterlichen Profeß - Eine rechtsgeschichtliche Untersuchung der monastischen Profeß und ihrer Rechtswirkungen unter Berücksichtigung des Staatskirchenrechts, Frankfurt am Main u.a. 1993, S. 401.

28 Vgl. Andreas Heinz, Art. "Brevier", in: LKStKR Bd. I, S. 301.

29 Vgl. Julio Manzanares, De obligatione liturgiam horarum cotidie persolvendi, in: Notitiae 27 (1991), S: 189-206; Florencio Testera, The private recitation of the liturgy of the hours, in: Boletin Eclesiastico de Filipinas 65 (1989), S. 69 ff.

30 Die Reformbemühungen sind ausführlich dokumentiert bei Rudolf Pacik, "Last des Tages" oder "Geistliche Nahrung"? Das Stundengebet im Werk Josef Andreas Jungmanns und in den offiziellen Reformen von Pius XII. bis zum II Vaticanum, Regensburg 1997.

31 Auf die Vorgaben der Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium (SC), die in Art. 83 bis 101 das Stundengebet behandelt, wird nur ausnahmsweise eingegangen, da der CIC und das einfache liturgische Recht Anwendungsvorrang haben. Desungeachtet bleibt SC weiterhin in Geltung und dient vor allem als kritischer Maßstab für das einfache Recht.

32 Vgl. Balthasar Fischer, Das Stundengebet, S. 101 f.

33 M. Zalba, Theologiae Moralis Compendium Bd. 2, Madrid 1958, S. 199-200: "omissio cuiusvis horae, sin minus propter extensionem, saltem quia afficit partem principalem Officii in se completam, censeatur gravis."

34 Vgl. José A. Abad, c. 1174 (comentario), in: Comentario Exegético al Código de Derecho Canónico, Bd. III, Pamplona 1996, S. 1680; Heinrich J. F. Reinhardt, in: Münsterischer Kommentar zum Codex Iuris Canonici, Essen, c. 1174, Rn. 2 (Stand: November 1986).

35 Im weiteren wird nach der AES zitiert. Sie findet sich abgedruckt in: Stundenbuch, Band 1: Advent und Weihnachtszeit, Freiburg u.a. 1987, S 25*-106*. Die IGLH findet sich in: Liturgia Horarum iuxta Ritum Romanum, editio typica altera, Tom I, Tempus adventus, tempus Nativitatis, Rom 1985 (Neudruck: Rom 2000), S. 21-94.

36 Vgl. den frommen Ratschlag von Joan. Evang. Goeser, Preces et meditationes ante et post Missam ..., 2. Aufl. Tübingen 1884, S. 387 (Regulae vitae sacerdotalis). "4. Breviarium tempore fixo, Matutinum et Laudes, quantum fieri potest, semper pridie recita."

37 Hier sind im einzelnen zu nennen: Verteilung des Psalters auf vier Wochen anstatt auf eine Woche, Umwandlung der Matutin in eine Lesehore, die zu jeder Zeit des Tages auch am Vorabend, gebetet werden kann (Art. 59 AES), Wegfall der Prim, Verbindlichkeit von lediglich einer kleinen Hore.

38 Vgl. José A. Abad, c. 1175 (comentario), in: Comentario Exegético Bd. III, S. 1682.

39 Vgl. Angelus A. Häussling, Art. "Tagzeitenliturgie IV. Kirchenrechtliche Bestimmungen", in: LThK³ Bd. IX, Sp. 1240: "Aufgrund von c. 1175 halten namhafte Kanonisten die Rechtspflicht für erloschen, wenn die der einzelnen Hore zukommende Tagzeit aus triftigem Grund nicht eingehalten werden konnte." (Vertreter dieser Ansicht benennt Häussling freilich nicht); Julio Manzanares, De obligatione ..., Notitiae 27 (1991), S. 189, 205 m.w.N. Der gleichen Ansicht ist wohl auch Emil Joseph Lengeling, lebendiger gottesdienst, die konstitution des zweiten vatikanischen konzils über die heilige liturgie, Münster 1964, S. 192.

40 Dieser Ansicht ist Luigi Chiapetta, Il Codice di Diritto Canonico Bd. II, 2. Aufl. Rom 1996, S. 441, Rn. 4308. Vgl. aber die kritische Anmerkung zu dieser minimalistischen, dem Geist der Liturgiereform widersprechenden Meinung bei Francis G. Morrisey (Hrsg.), The Canon Law Letter and Spirit - A practical guide to the Code of Canon Law, Collegeville, Minnesota 1995, S. 665 f. (zu c. 1174).

41 Vgl. Rupert Berger, Neues Pastoralliturgisches Handlexikon, Freiburg u.a. 1999, S. 490 (Lemma: Stundengebet).

42 William Woestman, The Sacrament of Orders, S. 172 f.

43 So auch José A. Abad, c. 1175 (comentario), in: Comentario Exegético Bd. III, S. 1682 f.

44 Wie hier Florencio Testera, The private recitation of the liturgy of the hours, S. 77: "All Canonical Hours, when not recited at the corresponding chronological time, must be said within the natural day which goes from midnight to midnight." Instruktiv für das Ordensrecht Dominicus Michael Meier, Die Rechtswirkungen der klösterlichen Profeß, S. 401: "Kann einer an einer Hore nicht teilnehmen, so hat er sie privat nachzubeten."

45 So hat jüngst die Gottesdienstkongregation auf eine Anfrage hin festgestellt, daß auch Laudes und Vesper nachgebetet werden müssen (Prot. N. 2330/00/L vom 15. November 2000): "Mit anderen Worten, das Hindernis, welches die Einhaltung der richtigen Gebetszeit verhindert, ist nicht aus sich heraus ein Grund, welches von der Verrichtung der Laudes und der Vesper entbindet." Vgl. Antwortschreiben der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung auf die Frage bezüglich der obligatorischen Verrichtung des Stundengebetes, in: AfkKR 169 (2000), S. 544-547 = Responsa ad quaestiones circa obligationem persolvendi liturgiam horarum, in Not. 37 (2001), S. 190-194.

46 Es kann daher nicht angehen, wenn Balthasar Fischer, Das Stundengebet, S. 101 f. mit Berufung auf Art. 29 AES meint, lediglich Laudes und Vesper seien noch richtig verbindlich. Dagegen spricht schon, daß die von der Deutschen Bischofskonferenz festgelegte Verpflichtung der ständigen Diakone zum Stundengebet eben Laudes und Vesper als ein gegenüber den sonstigen Klerikern reduziertes Pensum vorschreiben. E contrario muß die Verpflichtung der übrigen Kleriker also weiter sein! Vgl. Joseph Weier, Der Ständige Diakon im Recht der lateinischen Kirche, S. 91 f., der Laudes und Vesper schon für den Ständigen Diakon als zu geringes Pensum ansieht.

47 Vgl. Balthasar Fischer, Das Stundengebet S.103 f. Zu dem Aspekt der Stellvertretung im Stundengebet siehe auch. Walter Dürig, Das stellvertretende Beten des Priesters - Gedanken zum Stundengebet ohne Gemeinde, 2. Aufl. St. Ottilien 1989.

48 Vgl. José A. Abad, c. 1175 (comentario), in: Comentario Exegético Bd. III, S. 1682.

49 "Wer im Stundengebet die Psalmen betet, tut das nicht so sehr im eigenen Namen, sondern im Namen des ganzen Leibes Christi, ja in der Person Christi selbst. Diese Grundeinsicht behebt die Schwierigkeiten, die sich aus dem Gegensatz zwischen dem Text eines Psalms und der Gemütslage des Beters ergeben könnten; so kann, wer in Trauer ist, einen Jubelpsalm beten, wer freudig gestimmt ist, vermag eine Klagelied zu singen. Im Privatgebet, wo man einen Psalm nach der persönlichen Stimmung frei wählen kann, ist das ja leicht zu vermeiden. Im Stundengebet werden die Psalmen aber nicht privat, sondern öffentlich im Namen der Kirche gebetet, auch von dem, der eine Hore gerade allein vollzieht. Doch wer so im Namen der Kirche betet, kann immer einen Grund zur Freude und einen Grund zur Trauer finden; denn auch hier gilt das Wort des Apostels: ‚Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden' (Röm. 12,15)."

50 Der Normtext in Art. 29 AES schließt ein völliges Auslassen aus gerechtem Grund nicht aus. Doch sei hier noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, daß der Grundsatz der veritas horae für die Frage der Auslassung keine Bedeutung hat und sich somit auf den Verpflichtungsumfang nicht auswirkt. Die gegenteilige Ansicht mag sich auf den "Geist des Konzils" berufen, auf das positive nachkonziliare liturgische Recht kann sie sich indes nicht stützen. Damit ist freilich nicht gesagt, daß eine Änderung de lege ferenda nicht möglich wäre.

51 William Woestman, The Sacrament of Orders, S. 173 betont zurecht, daß die eigenverantwortliche Entscheidung über den Umfang der Pflicht zur Stundenliturgie den betroffenen Kleriker auch überfordern kann. Daher gibt es trotz der grundsätzlichen Eigenverantwortung des Klerikers gleichwohl noch eine gewisse Dispenspraxis durch den Ordinarius. Allein das zeigt aber auch, daß die Pflicht zur Stundenliturgie eben eine Pflicht und keine Sache der subjektiven Beliebigkeit ist.